Die Zahl der Auslieferungen beginnt sich zu normalisieren, die Gesamtjahresprognose wurde im Zuge der jüngsten Bilanz angehoben, die Erwartungen der Analysten übertroffen. Aber es gibt auch Aspekte, die so gar nicht zum Höhenflug der Airbus-Aktie passen mögen. Die Ende Juli präsentierten Ergebnisse des zweiten Quartals sahen nach Rückkehr zur Normalität aus, zumindest fast. Der Umsatz lag mit 14,17 Milliarden Euro weit über dem des „Lockdown-Quartals“ des Vorjahres und leicht über der durchschnittlichen Analystenprognose von 14 Milliarden.

Damals wurde ein Verlust von 1,22 Milliarden eingefahren, jetzt wurde auf EBIT-Basis ein Gewinn vor 2,0 Milliarden Euro erzielt, deutlich mehr als die Konsens-Prognose der Experten, die bei 1,58 Milliarden gelegen hatte. Diese Zahlen ermutigten Airbus dazu, die Gesamtjahresprognose deutlich anzuheben. Jetzt sollen auf EBIT-Basis, also vor Steuern und Zinsen, vier statt wie zuvor avisiert zwei Milliarden Euro erreicht werden, die Zahl der auszuliefernden Maschinen sieht man für 2021 bei 600.

Eine so markante Prognoseanhebung hätte vermuten lassen, dass die Aktie einen Luftsprung machen würde. Was sie am Tag der Bilanz-Veröffentlichung, dem 29. Juli, zwar Airbus: Der Gewinn steigt auch tat, denn der Handel startete mit einem Plus von knapp 4,5 Prozent.

Doch am Ende des Tages blieb nur ein mageres Plus von 0,7 Prozent übrig … und seither läuft die Aktie seitwärts. Wo war der Haken bei diesen Zahlen? Expertenmeinung: Es gab letztlich zwei Aspekte, die manche Marktteilnehmer skeptisch gemacht haben dürften. Zum einen lag auch die immens angehobene Gewinnprognose von vier Milliarden Euro noch weit unter dem operativen Gewinn von 6,9 Milliarden Euro, den Airbus im Rekordjahr 2019 erzielte. Dem Jahr, das man, weil 2020 durch Sondereinflüsse verzerrt war, als Vergleich heranziehen sollte, wenn es um die Frage geht, wie „normal“ die Lage mittlerweile ist.

Und der bisherige Verlaufsrekord, Anfang 2020 bei 139,40 Euro erreicht, als man noch erwartete, dass die Gewinne bei Airbus wie mit dem Lineal gezogen weiter steigen, ist vom derzeitigen Kursniveau nicht mehr weit entfernt … die Gewinne eben schon.

Was weniger ein Problem wäre, gäbe es da nicht diesen zweiten Haken. Airbus hat zwar im ersten Halbjahr 344 Maschinen ausgeliefert und ist damit auf solidem Weg, das eigene Lieferziel zu erreichen.

Aber der „Nachschub“ klemmt auffällig. In den ersten sechs Monaten kamen nur 169 Neubestellungen herein, zugleich wurden 42 Bestellungen storniert, es bleibt ein Saldo von 127 Maschinen, die ins Auftragsbuch hineinkamen.

Airbus: Der Gewinn steigt, Auslieferungen auch … aber es gibt einen Haken

Markant weniger also als das, was Airbus ausgeliefert hat. Auch, wenn das Auftragsbuch für mehrere Jahre reicht, stellt man sich da die Frage, ob die Aktie auf dem aktuellen Niveau noch viel Luft nach oben hat. Bislang hat die Antwort darauf nur dazu geführt, dass der Kurs nicht aus seinem keilförmigen Trendkanal nach oben ausbrach und seit der Bilanz auf der Stelle tritt. Aussteigen mochte deswegen also kaum jemand. Aber es wäre Geduld gefragt, wollte man ausharren, bis der operative Gewinn wieder Vorkrisen-Niveau erreicht und damit Kurse über dem bisherigen Hoch gerechtfertigt wären.

Sollte die Airbus-Aktie nicht zeitnah Fahrt aufnehmen und die 120,92 Euro überwinden, das am Bilanztag markierte, bisherige Jahreshoch, könnten die Trader ungeduldig werden und den Gewinn mitnehmen, solange er noch da ist. Bärisch würde die Aktie, sollte sie unter 99 Euro und damit unter der wichtigen 200-Tage-Linie schließen.


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